Securitas Sicherheitsmitarbeiter

KFZ-Kriminalität

Im Jahr 2016 wurden nach dem vom Bundeskriminalamt im Juli 2017 veröffentlichten Bundeslagebild 35.002 PKW als gestohlen registriert. Das sind 2,6 % weniger als 2015. Als auf Dauer entwendet wurden 19.194 PKW registriert. Das ist 1 % weniger als im Jahr zuvor und 0,9 % weniger als im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre.

Rund ein Drittel der Tatverdächtigen hatten nicht die deutsche Staatsangehörigkeit. Bei ca. 73 % der auf Dauer entwendeten PKW handelt es sich um Fahrzeuge deutscher Hersteller. Am stärksten belastet waren die Marken bestimmter hochwertiger Fahrzeuge. Abermals wurden in Berlin mehr PKW dauerhaft entwendet als in Nordrhein-Westfalen, dem Bundesland mit dem höchsten Zulassungsbestand. Die Belastungszahl (bezogen auf je 100.000 zugelassene PKW im jeweiligen Land) betrug 2016 im gesamten Bundesgebiet 42, in Berlin 406, in Baden-Württemberg 11. In den östlichen Bundesländern ist wegen der im Osten Europas gelegenen Absatzmärkte eine erhöhte Belastung festzustellen.

Im Jahr 2016 wurden 3.452 Sachfahndungstreffer zu deutschen KFZ-Ausschreibungen in anderen Schengenstaaten erzielt, davon fast die Hälfte (1.624) in Polen. Die Treffer lassen die Hauptverschieberoute über Polen in Richtung Osten sowie eine schwächer ausgeprägte Route über die Niederlande und Frankreich in Richtung Afrika erkennen.

Gesunken ist 2016 die Zahl der auf Dauer entwendeten LKW (um 4,4 % auf 1.527). Die Entschädigungssumme für entwendete LKW lag 2015 nach Angaben des GDV mit 40 Millionen Euro fast 18 % über dem Betrag von 2014. Zugenommen haben Diebstähle von Spezial-LKW, insbesondere von Betonmischern und -pumpen. Sie werden nach der Entwendung mit einer neuen Fahrzeugidentifizierungsnummer versehen und ins Ausland verbracht. Dabei treten insbesondere polnische und litauische Tätergruppen in Erscheinung.

Nach Angaben der fünf größten deutschen Autovermietungsunternehmen wurden im Berichtsjahr 1.085 Mietfahrzeuge entwendet – zumeist unterschlagen oder betrügerisch erlangt. Das waren 6 % mehr als 2015. Der Anteil der Sicherstellungen lag mit 69 % auf Vorjahresniveau. Auf Dauer abhandengekommen sind 336 Mietfahrzeuge, 5 % mehr als 2015.

Die internationale KFZ-Verschiebung wird von hoch qualifizierten, spezialisierten und arbeitsteilig vorgehenden Tätergruppierungen dominiert, zumeist aus Polen. Die Überwindung von elektronischen Sicherungseinrichtungen, der Fahrzeugtransport, die Zerlegung der Fahrzeuge in Einzelteile, die Fälschung oder Verfälschung von Fahrzeugpapieren und Identifizierungsmerkmalen sowie der Absatz entwendeten Fahrzeuge erfordern offensichtlich eine umfassende Logistik und verdeutlichen die hohe Professionalität der Täter. Beispielhaft für das Eindringen in moderne Fahrzeuge ist der immer häufiger festgestellte Modus Operandi der sogenannten „Funkstreckenverlängerung“. Dabei benutzen die Straftäter für den Diebstahl von Fahrzeugen, die mit einem „Keyless Entry“-System ausgestattet sind, elektronische Tools, die das unmittelbare Vorhandensein des Fahrzeugschlüssels simulieren. Inzwischen haben die Fahrzeughersteller Gegenmaßnahmen ergriffen. Der Transport der gestohlenen Fahrzeuge in die Absatzstaaten erfolgt in Containern oder durch Fahrzeugkuriere, die die entwendeten Fahrzeuge oder entsprechende Transportfahrzeuge steuern. In Südost- und Osteuropa sowie im Nahen und Mittleren Osten besteht ein anhaltender Bedarf an KFZ und Fahrzeugteilen. Ein wichtiger Transportweg für den Absatz im Nahen und Mittleren Osten sowie in Zentralasien führt durch die Türkei. Alternativ werden LKW auch über die Häfen in Antwerpen, Rotterdam, Marseille und Triest verschifft.

Eine grundlegendende Änderung der Kriminalitätslage ist künftig nicht zu erwarten, da die wesentlichen Rahmenbedingungen (technische Möglichkeiten zur Überwindung moderner KFZ-Sicherungseinrichtungen, gute Absatzmöglichkeiten) fortbestehen.

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