Securitas Sicherheitsmitarbeiter

Wirtschaftskriminalität

Das Bundeskriminalamt hat im August 2016 das Bundeslagebild Wirtschaftskriminalität (Wikri) für das Jahr 2015 veröffentlicht.

Es existiert keine Legaldefinition zur Beschreibung der Wikri. Kriminologisch lässt sich Wikri definieren als die das Vertrauen missbrauchende Begehung von Straftaten im Rahmen einer tatsächlichen oder vorgetäuschten wirtschaftlichen Betätigung, die unter Ausnutzung der Abläufe des Wirtschaftslebens zu einer Vermögensgefährdung oder einem Vermögensverlust großen Ausmaßes führt oder eine Vielzahl von Personen bzw. die Allgemeinheit schädigt. Die Polizei rechnet dazu alle Straftaten, für die – nach den Vorschriften des Gerichtsverfassungsgesetzes – die Wirtschaftsstrafkammer zuständig ist. Berücksichtigt werden in der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) nur von der Polizei – also nicht von Finanzbehörden, vom Zoll oder unmittelbar von einer Staatsanwaltschaft – ermittelten Straftaten.

Im Jahr 2016 wurden in der PKS insgesamt 57.546 Fälle der Wikri registriert, 5,6 % weniger als im Vorjahr und weniger als im Durchschnitt der letzten fünf Jahre (67.015). Wegen gering ausgeprägten Anzeigeverhaltens ist von einem großen Dunkelfeld auszugehen. Der Anteil der Wikri an allen polizeilich bekannt gewordenen Straftaten betrug im Berichtsjahr 0,9 %, aber die durch Wikri verursachten Schäden (2.970 Millionen Euro) erreichten 43,1 % des durch die Gesamtkriminalität verursachten erfassbaren Schadens von fast 7 Milliarden Euro. Dabei ist unstrittig, dass gerade die nicht erfassbaren und quantifizierbaren immateriellen Schäden, die durch Wikri verursacht werden, wesentliche Faktoren für die Bewertung des Schadenspotenzials sind, etwa

  • Wettbewerbsverzerrungen durch Wettbewerbsvorsprünge des mit unlauteren Mitteln arbeitenden Wirtschaftsstraftäters
  • die Gefahr, dass infolge finanzieller Abhängigkeiten und Verflechtungen bei einem wirtschaftlichen Zusammenbruch auch jene Geschäftspartner betroffen sein können, die an den kriminellen Handlungen der Täter keinen Anteil hatten
  • Gesundheitliche Gefährdungen und Schädigungen als Folge von Verstößen gegen das Lebensmittel- und Weingesetz sowie gegen Markenrechte
  • nicht unerhebliche Reputationsverluste von einzelnen Unternehmen oder auch ganzen Wirtschaftszweigen
  • mögliche Verluste des Vertrauens in die Funktionsfähigkeit der Wirtschaftsordnung.

Die Aufklärungsquote betrug im vergangenen Jahr 94 % (Gesamtkriminalität 56,2 %). Ursächlich hierfür ist vor allem, dass Geschädigte den Täter häufig kennen.

In 17,1 % der Fälle von Wikri wurde 2016 das Internet genutzt. Die Nutzung dieses Tatmittels ist damit gegenüber 2015 deutlich angestiegen (plus 74 %), hat sich jedoch gegenüber 2012 nahezu halbiert. Der Hauptanteil der Straftaten mit Internetnutzung lag wie bereits in den Vorjahren mit 8.425 Fällen im Bereich der Wikri bei Betrug.

Social Bots sind geeignet, das Kunden- und Kaufverhalten über das sogenannte „Influencer Marketing“ zu manipulieren. Dabei handelt es sich um gezielte Marketingmaßnahmen kommerzieller Agenturen, um Nutzer in ihren Kaufentscheidungen zu beeinflussen und für ein Produkt oder eine Marke einzunehmen. Der Einsatz sozialer Medien in Form von Kommentaren, Postings, Likes und Shares ist dabei essenziell.

Ein Beispiel für organisiert begangenen Betrug ist der sogenannte „CEO-Fraud“. Hierbei geben sich Täter u.a. als Geschäftsführer eines Unternehmens aus und veranlassen einen Mitarbeiter des Unternehmens zum Transfer eines größeren Geldbetrags ins Ausland.

Neue legale Anlageprodukte und Finanzierungsmöglichkeiten wie der Handel mit binären Optionen und das Crowdfunding können zur illegalen Gewinnmaximierung missbraucht werden.

Auf den Abrechnungsbetrug im Gesundheitswesen durch russischsprachige Pflegedienste und organisiert begangene Massenkriminalität im Betrugsbereich haben die Strafverfolgungsbehörden durch eine eng abgestimmte länderübergreifende Bearbeitung der Phänomene reagiert und die Öffentlichkeit und betroffene Institutionen sensibilisiert. Der Rückgang der Fallzahlen dürfte auch auf diese Sensibilisierungs- und Präventionsmaßnahmen zurückzuführen sein.

Einzelne Deliktsbereiche Fallzahl 2016 Veränderung zum Vorjahr in Prozent
Wikri bei Betrug 29.160 - 8,3
Insolvenzdelikte 11.283 + 1,2
Arbeitsdelikte 7.699 - 13,5
Anlagen- und Finanzierungsdelikte 8.566 - 6,2
Betrug / Untreue iZm Kapitalanlagen 7.815 - 2,6
Abrechnungsbetrug im Gesundheitswesen 2.465 - 49,7
Wettbewerbsdelikte 1.737 - 3,0

Gesamtbewertung

Die in der PKS registrierten Straftaten im Bereich der Wirtschaftskriminalität sind im Jahr 2016 gegenüber 2015 erneut gesunken und befinden sich auf dem niedrigsten Stand der letzten fünf Jahre. Seit 2012 sind die Fallzahlen um fast ein Drittel zurückgegangen. Die statistischen Daten in einigen Teilbereichen der Wikri unterstreichen dennoch das gleichbleibend hohe Gefährdungs- und Schadenspotential. Die zunehmende Bedeutung des organisiert begangenen Betrugs zeigt sich ungeachtet des hohen Dunkelfeldes nicht allein in den statistischen Daten. So besteht ein besonderes Gefährdungspotenzial darin, dass Kriminelle, die zuvor in den „klassischen“ Bereichen der Wikri aktiv waren, ihre Kenntnisse für organisiert begangene Betrugstaten nutzen.

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