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Wirtschaftskriminalität

Das Bundeskriminalamt hat im August 2016 das Bundeslagebild Wirtschaftskriminalität (Wikri) für das Jahr 2015 veröffentlicht.

Es existiert keine Legaldefinition zur Beschreibung der Wikri. Kriminologisch lässt sich Wikri definieren als die das Vertrauen mißbrauchende Begehung von Straftaten im Rahmen einer tatsächlichen oder vorgetäuschten wirtschaftlichen Betätigung, die unter Ausnutzung der Abläufe des Wirtschaftslebens zu einer Vermögensgefährdung oder einem Vermögensverlust großen Ausmaßes führt oder eine Vielzahl von Personen bzw. die Allgemeinheit schädigt. Die Polizei rechnet dazu alle Straftaten, für die – nach den Vorschriften des Gerichtsverfassungsgesetzes – die Wirtschaftsstrafkammer zuständig ist. Berücksichtigt werden in der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) nur von der Polizei – also nicht vom Zoll oder unmittelbar von einer Staatsanwaltschaft – ermittelte Straftaten.

Im Jahr 2015 wurden in der PKS insgesamt 60.977 Fälle der Wikri registriert, 3,5 Prozent weniger als im Vorjahr und weniger als im Durchschnitt der letzten fünf Jahre (71.428). Wegen gering ausgeprägten Anzeigeverhaltens ist von einem großen Dunkelfeld auszugehen. Der Anteil der Wikri an allen polizeilich bekannt gewordenen Straftaten betrug im Berichtsjahr rund 1 Prozent, aber die durch Wikri verursachten Schäden (2.887 Millionen Euro) erreichten 41,3 Prozent des durch die Gesamtkriminalität verursachten erfassbaren Schadens von fast 7 Milliarden Euro. Dabei ist unstrittig, dass gerade die nicht erfassbaren und quantifizierbaren immateriellen Schäden, die durch Wikri verursacht werden, wesentliche Faktoren für die Bewertung des Schadenspotenzials sind, etwa

  • Wettbewerbsverzerrungen durch Wettbewerbsvorsprünge des mit unlauteren Mitteln arbeitenden Wirtschaftsstraftäters
  • die Gefahr, dass infolge finanzieller Abhängigkeiten und Verflechtungen bei einem wirtschaftlichen Zusammenbruch auch jene Geschäftspartner betroffen sein können, die an den kriminellen Handlungen der Täter keinen Anteil hatten
  • Gesundheitliche Gefährdungen und Schädigungen als Folge von Verstößen gegen das Lebensmittel- und Weingesetz sowie gegen Markenrechte
  • nicht unerhebliche Reputationsverluste von einzelnen Unternehmen oder auch ganzen Wirtschaftszweigen
  • mögliche Verluste des Vertrauens in die Funktionsfähigkeit der Wirtschaftsordnung.

Die Aufklärungsquote betrug im vergangenen Jahr 92,9 Prozent (Gesamtkriminalität 56,3 Prozent). Ursächlich hierfür ist vor allem, dass Geschädigte den Täter häufig kennen. In 9,3 Prozent der Fälle von Wikri wurde 2015 das Internet genutzt. Die Nutzung dieses Tatmittels ist damit gegenüber 2011 um mehr als die Hälfte gesunken. Der Hauptanteil der Straftaten mit Internetnutzung lag wie bereits in den Vorjahren mit 4.100 Fällen im Bereich der Wikri bei Betrugstaten.

Einzelne Deliktsbereiche Fallzahl 2015 Veränderung zum Vorjahr in Prozent
Wikri bei Betrug 31.682 - 0,4
Insolvenzdelikte 11.153 + 3,0
Arbeitsdelikte 9.904 - 5,6
Anlagen- und Finanzierungsdelikte 9.136 + 5,6
Betrug / Untreue iZm Kapitalanlagen 8.022 + 4,7
Abrechnungsbetrug im Gesundheitswesen 4.457 + 11,2
Wettbewerbsdelikte 1.791 - 1,8

Gesamtbewertung

Die in der PKS registrierten Straftaten im Bereich der Wirtschaftskriminalität sind im Jahr 20156 gegenüber 2014 erneut gesunken und befinden sich auf dem niedrigsten Stand der letzten fünf Jahre. Seit 2012 sind die Fallzahlen um rund ein Viertel zurückgegangen. Die statistischen Daten in einigen Teilbereichen der Wirtschaftskriminalität unterstreichen dennoch das gleichbleibend hohe Schadens- und Gefährdungspotenzial. Die tendenziell zurückgehenden Fallzahlen könnten ihre Ursache in geänderten internationalen Anforderungen an Unternehmen haben. Die zunehmende Bedeutung des organisiert begangenen Betrugs zeigt sich aufgrund des hohen Dunkelfelds nicht allein in den statistischen Daten. So besteht ein besonderes Gefährdungspotenzial darin, dass Kriminelle, die zuvor in den „klassischen" Bereichen der Wikri aktiv waren, ihre Kenntnisse zur Begehung von Betrugstaten nutzen. Die Zusammenführung von polizeilichen Erkenntnissen und das Führen von Sammelverfahren ist bei organisiert und massenhaft begangenen Betrugsdelikten entscheidend, um sie unter dem Aspekt der organisierten und auf Dauer angelegten Tatbegehung erfolgreich bekämpfen zu können.

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