Securitas Sicherheitsmitarbeiter

Organisierte Kriminalität

Das Bundeskriminalamt (BKA) hat im Oktober 2016 das Bundeslagebild 2015 zur Organisierten Kriminalität in Deutschland veröffentlicht. Wir stellen daraus komprimierte Auszüge zusammen, fokussiert auf die OK im Zusammenhang mit dem Wirtschaftsleben.

Vorbemerkung

Die Organisierte Kriminalität (OK) ist besonders schwer zu bekämpfen, weil die einzelnen Gruppen zumeist über erhebliche finanzielle Mittel, ausgezeichnete Tarnungsmöglichkeiten und internationale Strukturen verfügen, professionell und arbeitsteilig vorgehen. Definiert wird OK als die von Gewinn- oder Machtstreben bestimmte planmäßige Begehung von Straftaten, die einzeln oder in ihrer Gesamtheit von erheblicher Bedeutung sind, wenn mehr als zwei Beteiligte auf längere oder unbestimmte Dauer arbeitsteilig zusammenwirken, unter Verwendung gewerblicher oder geschäftsähnlicher Strukturen (im Jahr 2015: 92 Prozent) unter Anwendung von Gewalt oder anderer zur Einschüchterung geeigneter Mittel (2015: 47 Prozent) oder unter Einflussnahme auf Politik, Medien, öffentliche Verwaltung, Justiz oder Wirtschaft (2015: 21 Prozent ). In 10,8 Prozent der Verfahren waren alle drei Alternativen festzustellen. Das Lagebild beschreibt die polizeilich bekannt gewordene OK. Das nicht erfasste „Dunkelfeld" lässt sich nicht valide abschätzen.

Der im Jahr 2015 ermittelte Schaden belief sich auf 424 Mio. Euro (21 Prozent unter dem Vorjahreswert), der festgestellte kriminelle Gewinn auf 230 Mio. Euro (31 Prozent weniger als im Vorjahr). Davon wurden 65 Mio. Euro vorläufig gesichert.

Hauptaktivitätsfelder der OK bildeten im Jahr 2015 wiederum der Rauschgifthandel und –schmuggel (36,7 Prozent), Eigentumskriminalität (14,8 Prozent), Kriminalität im Zusammenhang mit dem Wirtschaftsleben (11,8 Prozent), Steuer- und Zolldelikte (9,0 Prozent) sowie Schleuserkriminalität (8,1 Prozent) – jeweils gemessen an der Anzahl der ermittelten Gruppierungen. Die Anzahl der Tatverdächtigen pro Gruppe lag im Durchschnitt bei 15 Personen. Nur in 3,4 Prozent der Verfahren wurde eine OK-Gruppierung mit mehr als 50 Tatverdächtigen ermittelt. Der Organisations- und Professionalisierungsgrad der einzelnen OK-Gruppierungen wird mit dem so genannten OK-Potenzial ausgedrückt, das sich aus der Anzahl und Gewichtung der jeweils zutreffenden Indikatoren zur Erkennung OK-relevanter Sachverhalte (Bewertung im Wesentlichen nach Tatplanung, Tatausführung und Beuteverwertung) ergibt. Bei der Feststellung der Indikatoren spielen die Ermittlungsdauer und der Ressourcenansatz eine entscheidende Rolle. Das durchschnittliche OK-Potenzial aller Gruppierungen lag 2015 mit 40,7 Prozent auf dem niedrigsten Stand seit 2004. Nach wie vor stellen Gruppen mit mittlerem OK-Potenzial den mit Abstand größten Anteil. Nur 9,5 Prozent der OK-Gruppierungen wiesen ein OK-Potenzial von mehr als 60 Punkten aus.

Schwerpunkte

Sieben Prozent der OK-Verfahren standen 2015 im Zusammenhang mit Rockergruppierungen (25 Verfahren gegen Angehörige des Hells Angela Motorcycle Club). 17 Verfahren richteten sich gegen italienische Mafia-Gruppierungen. Insgesamt 33 OK-Verfahren wurden 2015 gegen russisch-eurasische OK-Gruppierungen geführt. Das ist gegenüber dem Vorjahr eine Abnahme um 17,5 Prozent. Die meisten OK-Verfahren waren 2015 in Nordrhein-Westfalen anhängig (107, also ein Fünftel).

OK im Zusammenhang mit dem Wirtschaftsleben

Die OK im Zusammenhang mit dem Wirtschaftsleben nimmt 2015 wie im Vorjahr den dritten Rang (mit 11,8 Prozent) ein. Diese Kriminalität verursachte – unbeschadet des unbestimmt großen Dunkelfeldes – Schäden in Höhe von ca. 98 Mio. Euro (23 Prozent der geschätzten Schadenssumme in allen OK-Verfahren). Die kriminellen Gewinne betrugen etwa 67 Mio. Euro (29 Prozent der Gesamtsumme aller OK-Verfahren). Die durchschnittliche Zusammenarbeitsdauer der Gruppierungen lag mit 4,9 Jahren deutlich über dem Durchschnitt aller Gruppierungen (2,8 Jahre).

Internationale Aspekte

Im Jahr 2015 wiesen 448 von 566 Ermittlungsverfahren (79,2 Prozent) internationale Bezüge von Deutschland in insgesamt 122 verschiedene Staaten auf, vor allem Bezüge in die Anrainerstaaten. Die meisten Bezüge gab es zu den Niederlanden (148 OK-Verfahren). Ursächlich dafür war die ungebrochene Bedeutung der Niederlande als Herkunfts- und Transitland für Rauschgifte. Bei den Verfahren mit Bezug zu Italien (94) liegen die Schwerpunkte ebenfalls in der Rauschgiftkriminalität, gefolgt von der Schleuser- und der Eigentumskriminalität. Mit Bezug zu Polen bildete ebenfalls die Eigentumskriminalität den Schwerpunkt.

Trendaussagen und Fazit

Auch künftig wird der Rauschgifthandel für die OK eine wichtige Einnahmequelle bleiben. Die organisierte Eigentumskriminalität wird weiterhin im Fokus von OK-Kriminellen stehen. Die deutliche Steigerung der Betätigung von OK-Gruppierungen im Bereich Cybercrime wird sich tendenziell fortsetzen. Insbesondere im sogenannten Darknet werden illegale Marktplätze betrieben. Und sie seien ohne spezielle Computerkenntnisse erreichbar.

Das Schadens- und Bedrohungspotenzial der OK ist unverändert hoch. Es handelt sich um ein komplexes und vielschichtiges Kriminalitätsphänomen. Auch künftig werden legale Firmen-Konstrukte als Deckmantel für OK aufgebaut werden. Vor dem Hintergrund einer steigenden Professionalisierung der OK -und durch den Einsatz von austauschbaren Mitarbeiterinnen – oft Kleinkriminellen - steigen die Herausforderungen für die Strafverfolgungsbehörden. Neben der hohen Mobilität der OK sind internationale Bezüge ein weiteres Kennzeichen von OK-Gruppierungen. Durch „Crime as a Service"-Angebote wird eine Vielzahl neuer Tatgelegenheiten eröffnet.

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